Über diesen Blog

Ein bisschen verquer ist es ja, dieses Wort – Katatonie. Im normalen Wortschatz kann ich es deswegen auch nicht vermuten. Und dennoch hat es mir dieses Wort angetan. Es ist mir wichtig geworden, weil es viel bedeuten kann und dennoch nicht vom ständigen Gebrauch abgeschliffen ist. Wer an der Katatonie leidet, kann manchmal nicht anders als dauerhaft schweigen, am ganzen Körper starr sein, sich komplett wie ein zu Eis gewordenes Brett fühlen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Katatonie ist keine Kasperei, das ist eine Krankheit, gegen die man sich nicht wehren kann, wenn sie einen ergreift. Sie ist ein psychomotorisches Syndrom, das Menschen in Besitz nimmt und ihnen die Kontrolle über sich selbst entreißt. Sie tritt besonders bei schwer depressiven und/oder schizophrenen Menschen auf, wenn sie in sehr starke Spannungssituationen geraten. Wir reden hier also nicht über eine Spielerei sondern über eine schlimme Krankheit, die kaum zu bändigen ist.

Aber keine Sorge, dies soll kein Blog werden, der sich maßgeblich mit psychischen Störungen auseinandersetzt. Vielmehr will ich darüber reden, warum ich mich manchmal fühle, als wäre ich ein Katatonist. Ich leide nicht an diesem Syndrom und ich bin auch froh darüber. Und doch komme ich mir manchmal so vor, als könnte ich nichts sagen, als könnte ich meinen Körper nicht bewegen, weil er ganz angespannt ist. Ich fühle mich zum Beispiel starr, wenn mich Dinge schockieren, über die ich vielleicht noch gar kein Wort verlieren kann, mich erst einmal sammeln muss, um sie irgendwie artikulieren zu können. Ich fühle mich starr, wenn mich ein Geschehen so zum nachdenken bringt, dass ich die halbe Nacht durchgrüble und plötzlich merke „Ich habe mich gar nicht vom Fleck gerührt“. Aber auch schöne Dinge, die mich berühren, bringen mich zum Innehalten meines Körpers, wenn ich erst einmal ungläubig hinschauen muss, um irgendwann zu begreifen, dass ich mir nichts einbilde.

Und so soll dieser Blog von all dem handeln, was mich und Andere zum erstarren oder zum schweigen bringt und eben das in Worte fassen. Dabei wird mir Politik ebenso wichtig sein wie Kultur und die Medien. Die Gruppe wird mir nicht über den Einzelnen gehen. Weil mich und viele andere Menschen diese Dinge bewegen, möchte ich sie zu Papier bringen, über Ungewöhnliches berichten und damit zum nachdenken und diskutieren anregen – weil es manchmal DIE Antwort eben nicht gibt, sondern nur eine Annäherung daran wie es sein könnte.

Es gibt Augenblicke, da kann sich der Mensch nicht wehren, weil er überwältigt ist, von dem, was ihn einnimmt – ob das nun gute oder schlechte Gründe hat, sei einmal dahingestellt. Doch wann immer es passiert, will ich mich diesen Momenten annehmen und versuchen gerade da laut zu sein, wo einen sonst das Wort verlässt.

3 Antworten auf Über diesen Blog

  1. Jessica sagt:

    Und nun volle Kraft voraus! Ich warte bereits gespannt auf den ersten Post!

    [Den ersten Kommentar musste ich mir gleich mal sichern...! ;) ]

  2. R sagt:

    Hi, cooler blog. Nettes Leitmotiv. Vorallem das Bild auf http://katatonie.org/ find ich krass. Interessant, dass du die Schweinerei der Drecks Amis mit Davis aufgegriffen hast.
    Achja, kleine Verbesserung, die ich mir nicht verkneifen kann, sorry: Es heißt nicht “in dubio contra homo”, sondern “in dubio contra hominem”.
    Grüße an dich und die Krankheit

    • Markus Mertens sagt:

      Hey, vielen Dank für dein großes Lob! Ich versuche immer kritisch mit Themen umzugehen, die ich einfach unerträglich finde. Dass mir das auch gelingt, ist wirklich schön zu hören.
      Vielen Dank für deine Anmerkung – du hattest natürlich Recht damit und ich habe es auch schon korrigiert ;)

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