Julian Assange

Wer oder was ist dieser Mann?

Julian Assange

Julian Assange im März 2010 in Norwegen. Bild: Flickr, Espen Moe

Julian Assange muss ja ein unfassbarer Mensch sein. So unfassbar, dass nicht klar zu sein scheint, was man nun von ihm halten soll. In was ist er noch gleich die Nummer 1? Darin Verräter, Lügner, oder Staatsfeind zu sein? Oder gefällt dann doch die Rolle des Aufklärers, des Weltenretters besser? Bei BILD ist man sich da noch nicht so sicher. Zumindest am 5. Dezember 2010 noch nicht. Oh, entschuldigen Sie, werte Leser, ich habe mich vertan. Da wusste wohl nur der eine Kollege bei Springer nicht genau, was der andere schrieb. Immerhin will Julian Assange doch die Welt aus den Angeln reißen, das ist doch ganz deutlich. Oder vielleicht einfach nur Popstar sein. Seinen Ruhm als Enthüller und Aufklärer genießen und danach seine Auferstehung feiern. Oder auch nicht. Ist ja aber auch egal.

Immerhin wird er zusehen, wie Sie darüber abstimmen, ob er nun ein Held oder ein Halunke ist, als Staatsfeind oder Held bezeichnet werden soll. Aber Vorsicht an all jene, die sich hier zu einem Klick erdreisten, denn es ist noch nicht ganz klar: Ist er nun ein Spion, ein Journalist oder gar ein Hightech-Terrorist? Er wird gewiss eine Gegenverschwörung gegen Sie planen, die Sie ihn durch den Kakao gezogen haben, und auch Ihre Bank crashen. Glauben Sie es mir, er wird sich damit fast zum Helden machen. Am Ende wird er durch seine Veröffentlichungen Furcht und Schrecken verbreitet haben,  und schlussendlich ein anmaßender, paranoider Geheimnisträger bleiben. Der Stern sieht das ganz anders. “Es geht nicht um Julian Assange” ist man sich hier sicher. Ein bisschen beschimpfen darf man aber doch trotzdem, finden Sie nicht? Weltfeind ist ja auch eigentlich kein so schlimmes Wort. Und während die FAZ noch überlegt, ob sie in Julian Assange lieber den Superstar der Sichtbarkeit oder doch lieber den Getriebenen sehen möchte, wird er schon wieder Blitze ableiten, warten Sie es nur ab.

Entschuldigen Sie bitte mein unverschämtes Verhalten, liebe Leser. Diese Titelzeilen von Zeitungen und Magazinen wie dem Tagesspiegel, der FAZ, der ZEIT, der Süddeutschen oder der BILD-Zeitung, dem Spiegel, dem Focus oder dem Stern kann ich doch nicht einfach in einen so losen Zusammenhang stellen. Doch, ich kann. Denn dass dieser Mann ungefähr nichts mehr über sich sagen kann, um diese Extrempole von Meinung zu verändern, weil Sie, verehrte Kollegen der deutschen Zeitungen und Magazine samt entsprechenden Onlineportalen, schon alles gesagt haben, um diesen Mann in den Himmel zu katapultieren oder auf den Boden zu treten – das ist vor allem eines: unmoralisch.
Sie Meister der Hyperbeln haben alles richtig gemacht, wenn Sie glauben der Leser eines gut geschriebenen Textes verstünde nur noch Übertreibungen. Ich jedenfalls will das nicht unterstellen. Respekt vor Ihnen, wenn Sie es tun.

Nachtrag vom 26.12.2010: Ich habe mir an anderer Stelle ein wenig Gedanken über die Geheimhaltungspolitik gemacht. Was einzelne Vertreter von Ehrlichkeit und Wikileaks damit zu tun haben, sehen Sie hier

Dieser Beitrag wurde unter Medien abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>